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Anzeiger
von Uster 07.07.2003

Diggin`The Blues
Sänger und Mundharmonikaspieler Lutz,
"bewaffnet" mit Mundharmonikas-Patronengurt in
voller Aktion. (jcg)
100
Jahre Blues gefeiert
Partystimmung
im Schwerzenbacher Second Floor
So
richtig angemessen wurde am Tage des „fourth of July“
der 100-jährige Geburtstag des Blues, gefeiert.
Wurzeln
im VOODOO
Diggin`
The Blues der, der eigentliche Haupt-Act dieses Abends.
Seit sechs Jahren spielt dieses Quintett schon zusammen,
eine CD ist bereits produziert, und diese Erfahrung im
Zusammenspiel zahlte sich in einem glasklaren Sound und
einer traumwandlerisch sicheren Dynamik aus.
Vor
allem der Diggin` The Blues Sänger und
Mundharmonikaspieler Lutz erwies sich dabei als wahrer
Hoherpriester, der mit seinem „Patronengurt“ voller
Harmonikas und seinem schwarzen Zylinder eindeutig auf die
dämonischen Wurzeln in Quacksalberei und Voodoo verwies.
Mit einer zwar tiefen aber bemerkenswert ausdrucksstarken
Stimme sang er sich durch zwei vor Energie nur so sprühende
Sets, die auch den letzten im Saal zum Mitwippen,
klatschen oder –tanzen animierten.
Vom
Klassiker Baby Please don`t go bis zum Jimi-Hendrix-Hit
Foxy Lady und von Rockabilly-Nummern à la Blues Suede
Shoes bis zum Mundharmonika-Solo das einen fahrenden Zug
imitiert, blieb keine Schattierung des (elekrischen) Blues
ungeachtet.
Lutzens
eigentliche Liebe aber gilt dem leider verstorbenen
schwarzen Bluessänger Willie Dixon. So war denn gleich
eine ganze Reihe von Dixon-Songs im Repertoire, darunter
so unvergessliche Perlen wie Hoochie Coochie Man oder
Backdoor Man.
Ohne
Sklaverei kein Blues
„Ohne
die Unterdrückung der Sklaven wäre der Blues kaum in
dieser Form entstanden, in der wir ihn heute kennen“,
hielt Lutz im Gespräch mit dem AvU über die Wurzeln
dieser Musikrichtung fest. Der Sänger verwies auch
darauf, dass der Blues ja eigentlich viel älter sei, und dass
„1903“ vielmehr das Jahr sein könnte, in dem er zum
ersten Mal schriftlich fixiert wurde“.
Blues
sei für ihn vor allem ein Lebensgefühl, das einen ständig
begleite, im Guten wie im Schlechten und das im
Wesentlichen im Bewusstsein der Vergänglichkeit und
Nichtigkeit alles Irdischen bestehe.
Hat
der Blues eine Zukunft? „Er wird nie sterben“, wie der
Rock`n`Roll“ antwortete Lutz. Erfreulich sei aber
namentlich auch, dass der Blues derzeit wieder von immer
mehr 20-jährigen Interpreten und Hörern geschätzt
werde.
(jcg) Uster
Anzeiger 07.07.03 |